Herbert Schröder

Herbert Schröder

* 29.09.1931
† 03.01.2021 in Bielefeld
Erstellt von wb-trauer.de GmbH & Co. KG
Angelegt am 09.01.2021
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Über den Trauerfall (1)

Hier finden Sie ganz besondere Erinnerungen an Herbert Schröder, wie z.B. Bilder von schönen Momenten, die Trauerrede oder die Lebensgeschichte.

Zielstrebig und doch menschlich

11.01.2021 um 14:33 Uhr von Westfalen-Blatt

Familie, Freunde und Firmenbelegschaft trauern um Herbert Schröder: Mit 89 Jahren ist der bekannte Bielefelder Unternehmer, Seniorchef des Autohandels Schröder Teams, in der Nacht zu Sonntag gestorben.

Herbert Schröder hinterlässt seine Frau Maria, vier Kinder und acht Enkel. Sein Umfeld schätzte ihn als einen geselligen, lustigen Typen, der aber auch einen guten Riecher hatte und genau wusste, was er haben und machen wollte. Der gelernte Maschinenbauingenieur galt als zielstrebig und investitionsfreudig, soll trotz seines beruflichen Erfolges immer sehr menschlich geblieben sein. Sein liebstes Hobby war die Jagd. Sein Herz gehörte zudem den Handballern aus Sennestadt und Senne, die er großzügig förderte.

Mit der Gründung einer Tankstelle samt kleiner Werkstatt und drei Mitarbeitern hatte Herbert Schröder im März 1960 in Sennestadt den Grundstein gelegt für einen Betrieb, der heute fast 400 Mitarbeiter an zwölf Standorten in Bielefeld und OWL beschäftigt. Zu dem Unternehmen gehören sechs Autohäuser, eine Lackiererei, drei Waschstraßen und zwei Fahrradläden.

Neben seinem Sohn Friedrich, der 1993 in die Geschäftsführung eintrat und dort bis heute erfolgreich wirkt, beschäftigte der Firmengründer auch seine drei Töchter: Petra ist Chefin über Finanzen und Buchhaltung, Ulrike kümmert sich um die Bereiche Umwelt und Sicherheit. Nur Tochter Karin, einst Hausjuristin, ist nicht mehr im Betrieb.

Als im August 1959 der erste Spatenstich zur Tankstelle und einer kleinen Werkstatthalle an der Industriestraße in Sennestadt erfolgte, herrschten noch ganz andere Zeiten. Sennestadt befand sich im Aufbau, und Herbert Schröder sah großes Potential dafür, seinen Traum von einem Autohaus umzusetzen – trotz aller Skepsis, die ihm von außen entgegen gebracht wurde. Denn wegen der noch mangelnden Infrastruktur musste dazu unverhältnismäßig viel Geld in die Hand genommen werden. Das störte den damals 28-Jährigen wenig. Er wollte unbedingt den Händlervertrag aus Wolfsburg, und er bekam ihn auch.

Selbst das Fehlen einer Meisterprüfung sei für ihn kein Hindernis gewesen. Sie wurde „mal eben schnell nachgeholt“. Dann stand dem Verkauf des VW-Käfers im großen Stile nichts mehr im Wege. Bereits im ersten Geschäftsjahr setzte Schröder 69 Autos ab.

1973 gehörte er zu den Mitbegründern des Verbundes der Sennestädter Autostraße, der aus den Chefs unterschiedlicher Autohäuser Geschäftspartner und vereinzelt auch Freunde machte. Für die Verbraucher im Bielefelder Süden sowie die angrenzenden Gemeinden der Kreise Lippe und Gütersloh wurde die Autostraße in Sennestadt zur besten Adresse, wenn es ums Fahrzeug ging: Markenvielfalt, Dienstleistung und Kundendienst, Service von der TÜV-Abnahme bis zur neuen Ganzlackierung, vom Unfallgutachten bis zur Verchromung oder Verschönerung des eigenen Wagens. Parallel engagierte sich Herbert Schröder in der Kfz-Innung, der er 13 Jahre lang als Obermeister vorstand.

Seine Vision von einem führenden Autohaus in OWL nahm immer mehr Gestalt an. In den Folgejahren baute er aus und kaufte weitere Betriebe auf. 2007 hatte das mittelständische Unternehmen schon 170 Mitarbeiter.

2010, als der Betrieb mit vielen Gästen sein 50-jähriges Bestehen feierte, sagte der damals 78-jährige Seniorchef, der in seiner Laufbahn gut 200 Auszubildende auf den beruflichen Weg gebracht hat und noch immer kräftig mitmischte, zu seinem Erfolgsrezept: „Als Chef musst Du heute Praktiker, Kaufmann, Jurist und Seelsorger in einer Person sein, dann läuft eine Firma, dann ist man ein Team. Aber man muss auch viel Glück haben, gutes Personal und eine fleißige Frau.“

 

Nachruf aus dem Westfalen-Blatt (Ausgabe Bielefeld) vom 05.01.2021