Rainer Pape

Rainer Pape

* 05.03.1926
† 08.01.2022 in Herford
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13.01.2022 um 10:45 Uhr von Westfalen-Blatt
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Sein Herz schlug für Herford

13.01.2022 um 10:41 Uhr von Westfalen-Blatt

Sein Publikationseifer kannte keine Grenzen. Auch im Ruhestand brachte Dr. Rainer Pape regelmäßig Bücher zu Themen der Herforder Stadtgeschichte heraus. Jetzt ist der Historiker, langjähriger Leiter des Städtischen Museums und des Archivs, im Alter von 95 Jahren gestorben.

Obwohl Pape die ersten zehn Jahre seines Lebens in Thüringen verbracht hatte, galt die Liebe des Historikers immer „seiner“ Stadt Herford. 1936 hatten die Eltern ihren Sohn zur Großmutter geschickt, wo er fortan aufwuchs und das Friedrichs-Gymnasium besuchte.

Zur frühen Herford-Passion passte, dass Rainer Pape sein Studium mit einer Dissertation über die Anfänge der Stadt abschloss. Nach der Promotion wurde er im Jahr 1956 Leiter des Städtischen Museums. Dass er 1988 vorzeitig in den Ruhestand ging, sagt einiges über den kämpferischen Charakter des Museumsleiters aus. Pape hatte wiederholt auf die Sanierungsbedürftigkeit des Museums hingewiesen – und angesichts des 1989 bevorstehenden Stadtjubiläums (1200 Jahre) nannte er als einen der Hauptgründe für seinen Rücktritt: „Da ich mich nicht mit einem verkommenen Haus blamieren wollte, zog ich die Konsequenzen.“

Bis 1988 war Pape auch Leiter des Stadtarchivs, das er mit großem Engagement aufgebaut hatte. „Das ist sein ganz großes Verdienst“, sagt der heutige Archivar Christoph Laue. Im Zusammenhang mit dem Abriss des Rathauses auf dem Alten Markt waren Urkunden und ältere Akten aus Herford im Jahr 1900 ins Staatsarchiv Münster gekommen. Pape sorgte dafür, dass die Quellen wieder in Herford gelagert wurden. Besonders eindrucksvoll ist ein altes Foto vom 6. Mai 1964. Zu sehen ist unter anderem Pape, wie er Aktenstapel aus einem Bulli trägt.

Auch Lars-Oliver Gehring, seit August 2021 Vorsitzender des Geschichtsvereins, hebt die Rückführung des Archivs aus Münster besonders hervor. Ferner hatte der Verstorbene das Historische Jahrbuch auf den Weg gebracht – und über die Schriften Papes, zu denen man leicht einen Zugang bekomme, sagt Gehring: „Kein historisch Interessierter, der sich mit Herford beschäftigt, kommt an seinem Werk vorbei.“

Mehr als 25 Bücher hat der Historiker als Autor veröffentlicht. Doch er war stets auch ein Kämpfer für das historische Stadtbild. Noch als 90-Jähriger engagierte er sich für den Erhalt eines Fachwerkhauses in den Werregärten. Nachdem Abrisspläne bekannt geworden waren, erinnerte sich Pape an die Beschreibung des Gebäudes in einer Chronik und erkannte, dass es sich um ein früheres Brunnenhaus handelte. Der Abriss wurde gestoppt.

Dieses Gedächtnis, in dem Dinge aus der vordigitalen Zeit abgespeichert sind, wird den Herfordern fehlen. Zu denen, die in den vergangenen Jahren besonders intensiv mit Pape zusammengearbeitet haben, zählt der Gästeführer Mathias Polster. Gemeinsam gaben beide im vergangenen Jahr ein wegweisendes Buch über die Straßen und Plätze Herfords heraus: „Vom Aawiesenpark bis Zur Bleiche.“ Sein letztes Buch als alleiniger Autor hatte Pape im November 2020 veröffentlicht: „Herivurth – Herforder Geschichten aus 1200 Jahren.“ Ein weiteres Buch war bereits in Vorbereitung.

An die Verdienste des Verstorbenen erinnert auch Andreas Gorsler, Historiker und CDU-Ratsherr. Zu jeder Epoche der Herforder Stadtgeschichte habe er publiziert. Gorsler begreift Papes Ansatz als in einem positiven Sinne populärwissenschaftlich: „Sein Sancta Herfordia von 1979 gehört in jeden Haushalt, auch wenn nach über 40 Jahren die Forschung vorangeschritten ist."

Nachruf aus dem Westfalen-Blatt (Ausgabe Herford) vom 12. Januar 2022

Gedenkkerze

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Entzündet am 12.01.2022 um 08:31 Uhr

Westfalen-Blatt

vom 12.01.2022