Gerhart Schöll

Gerhart Schöll

* 09.02.1943
† 24.12.2022
Erstellt von wb-trauer.de GmbH & Co. KG
Angelegt am 28.12.2022
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Über den Trauerfall (1)

Hier finden Sie ganz besondere Erinnerungen an Gerhart Schöll, wie z.B. Bilder von schönen Momenten, die Trauerrede oder die Lebensgeschichte.

Vlotho trauert um Gerhart Schöll

30.12.2022 um 09:59 Uhr von Westfalen-Blatt

Gerhart Schöll war ein Mann des Ausgleichs und der Verständigung, der Ruhe und Besonnenheit. Er war ein kluger Ratgeber und engagierter Vertreter sozialer Interessen und politischer Pflichten an seinen Arbeitsplätzen, in seinen Vereinen und Verbänden, in seiner Partei und seiner Gewerkschaft. Und er war ein liebevoller und großzügiger Familienvater und Ehemann. Gerhart Schöll ist in der Nacht auf den 24. Dezember verstorben.

Geboren wurde Gerhart Schöll am 9. Februar 1943 in Heidelberg. Dort ging er zur Schule, machte Abitur und studierte dann Soziologie, Geschichte und Politikwissenschaften in Frankfurt und Berlin.

1969 kam er zum Jugendhof Vlotho (heute LWL Jugendhof) auf dem Amtshausberg. Dort blieb er als Seminarleiter und später auch stellvertretender Institutsleiter bis zu seiner Pensionierung im Jahr 2008. Bei seiner Verabschiedung damals hieß es, dass mit ihm einer der letzten großen Männer des Jugendhofes aus der Riege seiner damaligen Mitstreiter um Ansgar Rank, Jürgen Engeln, Rüdige r Beinroth, Gerd Paulmann und Peter Ausländer geht, die der Vlothoer Einrichtung zu ihrem bundesweit guten Ruf verholfen hatten.

Für die Friedrich-EbertStiftung war Gerhart Schöll zudem von 1982 bis 1985 und von 1989 bis 1992 für Projek- te der Entwicklungspolitik in Ägypten und im Sudan tätig. In Vlotho engagierte sich Schöll als Vorsitzender des von ihm gegründeten Arbeitskreises Entwicklungspolitik (AKE e.V.) als sozialem Träger der Jugendhilfe.

In der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) war er seit 1969 viele Jahre der Sprecher der Pädagogen-Gewerkschaft in Vlotho. Er wurde 1971 Vorsitzender der hiesigen Juso-AG der SPD, der er seit 1967 angehörte. Als Vorsitzender des Stadtjugendrings und des Vereins Autonomes Jugendzentrum war Schöll maßgeblich daran beteiligt, dass 1978 das Jugendzentrum in der ehemaligen Schöningschen Fabrik, der heutigen Kulturfabrik, eingerichtet wurde. Von 1975 bis 1979 gehörte er für die SPD dem Rat an und war bis zuletzt als sachkundiger Bürger in verschiedenen Ausschüssen engagiert.

Gerhart Schöll war Mitglied des SPD-Stadtverbandsvorstands, seit Jahren stellvertretender Vorsitzender des Ortsvereins Valdorf und war im Bezirks- und Landesvorstand der Arbeitsgemeinschaft für Bildungsfragen (AfB) in der SPD. Fast 35 Jahre war er AWO-Mitglied.

1978 machte Gerhart Schöll den Vorschlag, zum 40. Jahrestag der Pogromnacht von 1938, an der Stelle, wo sich früher die Synagoge befand, einen Gedenkstein aufzustellen. Das wurde damals angesichts der Mehrheitsverhält- nisse im Vlothoer Stadtrat nicht aufgegriffen, sondern erst zum 50. Jahrestag 1988 realisiert. Er engagierte sich im Kampf gegen das Collegium Humanum sowie gegen Rassismus und Ausgrenzung. Noch im Sommer dieses Jahres beteiligte er sich als Referent an der Aktionswoche gegen Rassismus und Rechtsradikalismus, die das Vlothoer Bündnis gegen Rechts mitgestaltete.

Im Förderverein des Jugendhofs war Gerhart Schöll, der an seiner alten Arbeitsstätte auch nach der Pensionierung noch als freier Seminarleiter tätig gewesen ist, als akribischer Schriftführer im Vorstand aktiv. Gerhart Schöll galt als „das Gedächtnis des Jugendhofs“, wo er seine pädagogischen Fähigkeiten praktisch umzusetzen verstand und methodisches Wissen mit didaktischer Fantasie überein brachte und als politisch denkender Mensch und exemplarischer Teamarbeiter viele junge und auch ältere Menschen erreichen konnte.

Nachruf aus dem Westfalen-Blatt (Ausgabe Vlotho) vom 30. Dezember 2022