Wilfried Sahrhage

Wilfried Sahrhage

† 20.06.2022
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Das Waldheim war seine Herzenssache

01.07.2022 um 10:05 Uhr von Westfalen-Blatt

Er wird liebevoll „Mr. Häger“ und „Werthers Original“ genannt, mehr als 50 Jahre lang engagierte er sich tatkräftig mit Herz und Seele für den CVJM und dessen Wald- und Freizeitheim in Häger, erhielt für seinen sozialen Einsatz sogar das Bundesverdienstkreuz. Am vergangenen Montag ist Wilfried Sahrhage, ein Urgestein des CVJM, im Alter von 92 Jahren gestorben.

„Ich kenne kein Leben ohne Waldheim“, hat Wilfried Sahrhage einmal gesagt. Und andersherum sind es längst Generationen von Besuchern auch weit über Werther hinaus, die das bekannte Waldheim Häger fast automatisch mit seinem Namen verbinden.

Als Schneider und Lehrer gearbeitet

Geboren und aufgewachsen ist Sahrhage in Werther/Arrode. Ursprünglich wollte er Bürokaufmann werden, doch dann absolvierte er nach dem Zweiten Weltkrieg in seiner Heimatstadt eine Lehre zum Schneider bei Heidemann. Später arbeitete er in der Weberei Gehring und machte seine Meisterprüfung.

Schon damals zog es ihn zum CVJM, vier Jahre lang war er hauptamtlich Jugendwart beim CVJM Versmold. Bis sich der Wertheraner beruflich noch einmal umorientierte und Lehrer wurde: Bis 1989 unterrichtete er Religion, Sport, Deutsch und Biologie an der Hauptschule Halle.

Ehefrau Anni starb bereits 1992

Doch einen Großteil seiner Freizeit hat Wilfried Sahrhage immer dem CVJM gewidmet, in den er 1945 eintrat, und dem Waldheim – unterstützt jahrelang auch von Ehefrau Anni, die bereits 1992 starb. 1951 gründete er zudem den CVJM Langenheide. Seine Leidenschaft hat er vom Vater: Gustav Sahrhage hatte 1929 den ersten Treffpunkt – damals nur für Männer – am heutigen Standort in Häger errichtet: ein einfaches Blockhaus ohne Toilette. Mit nur 22 Jahren stieg Sohn Wilfried als ebenfalls ehrenamtlicher Nachfolger 1951 in die bereits großen Fußstapfen.

Mit Gründung des Trägervereins wurde 1963 das heutige Waldheim errichtet und in den Jahren 1977/1978 nochmals erweitert – das mittlerweile jedes Jahr tausende Übernachtungsgäste anzieht. Viele davon dürften sich auch noch an die Kaninchen- und Eulenzucht des damaligen Herbergsvaters erinnern, mit der er Kindern und Jugendlichen die Natur näher brachte – wo sonst konnte man schon vorsichtig junge Waldkäuze streicheln? Zahlreiche Jungschar-Treffen und Ferienfreizeiten hat der Hausleiter mit auf die Beine gestellt, bis er 2004 im Haus von seiner Nachfolgerin Sabine Runde abgelöst wurde. Den Trägerverein leitet heute Reinhard Kreft.

Über Häger hinaus war Sahrhage im CVJM aktiv, etwa als Vorsitzender des Kreisverbandes: Dessen Altpapier-Sammlung brachte stattliche Erlöse, die Menschen in Afrika halfen.

Freundschaften in den neuen Ländern

Wenn Wilfried Sahrhage zwischendurch mal doch nicht in Häger war, dann reiste er oft und gerne in die östlichen deutschen Bundesländer. Schon zu DDR-Zeiten pflegte er freundschaftliche Kontakte, schickte zahlreiche Pakete nach „drüben“ und erhielt für seinen Einsatz 1990 das Bundesverdienstkreuz am Bande. Mehrere CVJM-Verbände hat er in Ostdeutschland mit aufgebaut und unterstützt, verbrachte seine Zeit gerne auch auf Schloss Mansfeld in Sachsen-Anhalt.

Er engagiertedie „netten Letten“

Untrennbar mit Wilfried Sahrhage verbunden sind darüber hinaus die Konzerte des Brass Quintett Riga aus Lettland: Erstmals traten die Blechbläser und ehemaligen Mitglieder des lettischen Staatsorchesters Anfang der 1990er Jahre in Werther auf – auf Initiative von Sahrhage. Der hatte die heute gern auch als „Die netten Letten“ titulierten Musiker einst als Straßenmusiker entdeckt und eingeladen, in die Böckstiegel-Stadt zu kommen. Er war auch ihr Ansprechpartner vor Ort und half dabei, dass die Musiker ihren jetzigen Bekanntheitsgrad erreichten. Mittlerweile haben die Auftritte in der Adventszeit in Werther Tradition.

Reinhard Kreft, Vorsitzender des Trägervereins CVJM Waldheim Häger, hat Wilfried Sahrhage in jungen Jahren kennengelernt. Kreft erinnert sich an Sahrhages Ehrgeiz im Dienste des Vereins und des Hauses in Häger: „Er hat sich rundum gekümmert.“ Für ihn ist klar: „Ohne ihn gäbe es das Waldheim so heute nicht.“

Nachruf aus dem Westfalen-Blatt (Ausgabe Halle) vom 24. Juni 2022

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vom 01.07.2022