Gerhard Weber

Gerhard Weber

* 03.06.1941
† 24.09.2020 in Halle
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Angelegt am 26.09.2020
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Neueste Einträge (7)

Gedenkkerze

Hella Maria Müller Hannover

Entzündet am 11.10.2020 um 15:58 Uhr

Sehr viele Jahre hat mich die Mode von Gerry Weber  durch mein Leben begleitet. Es gab immer soviele Dinge ,die ich hätte kaufen können.   Danke dafür                Hella Maria Müller

Gedenkkerze

Thorsten H.

Entzündet am 30.09.2020 um 14:59 Uhr

Danke für alles was Sie für Arminia getan haben. 

 

Gedenkkerze

Paul Werning

Entzündet am 29.09.2020 um 21:13 Uhr

Im Gedenken an einen ganz Großen. R.I.P.

Der Modepionier - Unternehmer Gerhard Weber stirbt mit 79 Jahren

28.09.2020 um 10:05 Uhr von Westfalen-Blatt

Er gehörte zu Deutschlands erfolgreichsten Unternehmerpersönlichkeiten – sein Lebenswerk aber hatte er in der Krise des Modehandels verloren. Nun ist Gerhard Weber, Gründer von Gerry Weber in Halle, im Alter von 79 Jahren gestorben.

Das teilte die Gerry Weber International AG am Donnerstag mit. Gerhard Weber starb in der Nacht vom 23. auf den 24. September „nach kurzer schwerer Krankheit“ in der Uniklinik Münster. „Der Familie von Gerhard Weber sprechen wir im Namen aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unser tiefstes Mitgefühl und Beileid aus“, sagte Alexander Gedat, Vorstandsvorsitzender der Gerry Weber International AG. „Wir empfinden größte Dankbarkeit und Respekt einem vielgeachteten Unternehmer gegenüber und trauern um eine zutiefst beeindruckende Persönlichkeit.“

Wegbegleiter beschreiben Gerhard Weber als geniale Unternehmerpersönlichkeit, die mit unermüdlicher Energie und nie versiegendem Elan die Geschicke des Unternehmens vorantrieb. Sein Sohn Ralf hob am Donnerstag den „unvorstellbaren Tatendrang“ seines Vaters hervor.

Gerhard Weber hat mit großer Leidenschaft die Kollektion maßgeblich mitgestaltet. Er wusste immer das entscheidende Detail zu setzen, das für den großen Erfolg der Mode aus seinem Haus verantwortlich war. Im November 2014 wechselte Gerhard Weber vom Vorstand in den Aufsichtsrat des Unternehmens. Sein Sohn Ralf folgte ihm bis 2018. Da war der Konzern bereits inmitten seiner größten Krise.

Gerhard Weber wurde am 3. Juni 1941 geboren. Nach der mittleren Reife machte er eine Ausbildung als Industriekaufmann beim Bielefelder Modeunternehmer Hermann Lange. Die Arbeit mit den Kollektionen interessierte ihn. „Da merkte ich schon: Ich habe ein gutes Gefühl für Ware und Farben, und die Händler, die ich bedient habe, vertrauen mir“, blickte Weber anlässlich seines 75. Geburtstages zurück. „So kam es, dass ich selbstständig Bekleidung ein- und weiterverkauft habe. Mit 24 Jahren eröffnete ich in Versmold mein erstes Modegeschäft.“

Doch das war erst der Anfang einer Erfolgsgeschichte. 1973 gründete Gerhard Weber in seiner Heimat Halle gemeinsam mit seinem Freund und Kompagnon Udo Hardieck – der im Jahr 2018 gestorben ist – die Hatex KG. Anfangs zur Herstellung und zum Vertrieb von Damenhosen gedacht, wurde das Unternehmen schnell erfolgreich und ging 1989 als Gerry Weber International AG an die Börse.

1986 wird neben der etablierten Marke „Gerry Weber“ die jüngere Marke „Taifun“ ins Leben gerufen, 1994 die Plus-Size-Marke „Samoon“. Das erste in Eigenregie geführte „House of Gerry Weber“ mit allen Marken des Konzerns eröffnete 1996 in Bielefeld. Es folgten erfolgreiche Jahre, Jahre des Wachstums. In Spitzenzeiten kratzte der im SDax notierte Modeanbieter an der Umsatz-Grenze von einer Milliarde Euro.

2003 hat Gerhard Weber in Düsseldorf die sogenannte Halle 29 errichtet – ein Millioneninvestment für die Modeindustrie, später folgte die Halle 30. Hier präsentierte nicht nur Gerry Weber selbst den Textileinkäufern aus aller Welt in den Showrooms seine Kollektionen, sondern auch viele weitere Modehersteller aus OWL. Diese Initiative war seine Antwort darauf, dass er die Messehalle in der Modemetropole Düsseldorf schlicht zu unattraktiv fand. Allerdings: Das Objekt musste das Unternehmen im Jahr 2018 verkaufen – da war Gerry Weber bereits in die Krise gestürzt.

Von 2014 bis 2019 gehört auch das Münchner Modeunternehmen Hallhuber zur Gruppe. 2015 wurde eine weitere Vision Gerhard Webers Realität: eines der modernsten Logistikzentren Europas ging in Halle in den Betrieb. Doch die folgenden Jahre waren bitter. Gerry Weber geriet in Schieflage, der Aktienkurs stürzte ab, viele Beschäftigte verloren ihren Job. Gerhard Weber begleitete die Phase aus dem Aufsichtsrat heraus. Nach und nach verlor die Familie aber an Einfluss.

Bei seinem 75. Geburtstag äußerte sich Weber selbstkritisch. „Insgesamt haben wir den Ausbau der eigenen Geschäfte insbesondere im Zuge der Übernahme der 200 Wissmach-Läden zu schnell vorangetrieben. Für diesen Fehler bin ich noch verantwortlich.“ Zu diesem Zeitpunkt hoffte er noch, dass der Vorstand den Fehler korrigieren kann. Doch schon ein Jahr später, 2016, musste er miterleben, wie sein Sohn Ralf harte Einschnitte verkündete. Für die Neuausrichtung strich das Management jede zehnte von 7000 Stellen. Auch 100 von 1000 Filialen fielen weg. Das reichte aber nicht. Es folgten weitere Schließungen und ein noch drastischerer Stellenabbau. 2019 meldete Gerry Weber Insolvenz in Eigenregie an. Neue Investoren übernahmen. Mit dem Jahreswechsel 2019/2020 war dieser Schritt abgeschlossen – und die Aktien der Gründerfamilie wertlos. Die Webers waren raus. Weber musste mit ansehen, wie sein Lebenswerk zerfiel. Zu seinem 75. Geburtstag sagte er: „Ich fühle hier mit. Schließlich habe auch ich viele Jahre mit diesen Mitarbeitern verbracht, wir haben zusammen schon viel erlebt.“

Nachruf aus dem Westfalen-Blatt vom 25.09.2020

Freund und Förderer des Sports

28.09.2020 um 10:02 Uhr von Westfalen-Blatt

Gerhard Weber machte und mochte Mode. Sport liebte der Hobby-Tennisspieler beim TC Blau-Weiß Halle. Und natürlich erkannte er auch die positiven Effekte, die der Sport im Marketing für Gerry Weber hatte. Sein genialster Schachzug: die Gerry Weber Open.

Als deren Vorläufer 1991 ausgetragen wurde, war noch keineswegs absehbar, dass in „Halle/Westfalen“ eine Hochburg des internationalen Tennis stehen würde. Das Preisgeld für die Veranstaltung auf Sand betrug 25.000 Dollar. Der Zusatz „Westfalen“ war notwendig, weil Zuschauer und auch Spieler den Flughafen Leipzig ansteuerten, um von dort nach Halle/Saale zu fahren.

Grün ist die Hoffnung, dachte sich Organisator Ralf Weber 1993. Im zweiten Jahr als Challenger-Turnier waren die Haller ausgezeichnet worden. Gleichzeitig bekamen sie Post von der ATP, der Turnier- und Spielerorganisation der Männer, dass im Jahr 1993 ein Grand-Prix-Turnier ausgetragen werden sollte. Unternehmer Gerhard Weber erinnerte sich später: „Na prima, habe ich gedacht, das ist jetzt der Dank dafür, dass wir eine perfekte Veranstaltung abgeliefert haben, dass sie uns auch noch Konkurrenz machen.“ Sein Sohn Ralf beruhigte ihn damals: „Reg’ dich nicht auf. Wir bewerben uns. Und dann spielen wir auf Rasen.“ Eine Nacht wurde darüber geschlafen, dann fiel der Entschluss des Modemachers und seines Geschäftspartners Udo Hardieck: Wir machen das. Gerhard Webers Gedanken damals: „Deutschland hatte mit Boris Becker, Michael Stich und Steffi Graf drei Wimbledonsieger, aber nicht ein Turnier auf Rasen. Das war der Reiz.“ Ein Volltreffer.

Mittlerweile ein ATP-500er-Turnier, über 100.000 Besucher in der Woche auf der Anlage. In Halle begründete Roger Federer seinen Weltruhm mit. Mit Michael Stich, Nicolas Kiefer, David Prinosil, Tommy Haas, Philipp Kohlschreiber und Florian Mayer trugen sich sechs Deutsche in die Einzelsiegerliste ein.

Doch Gerhard Weber war nicht nur ein Freund des einstmals weißen Sports. Das Gerry-Weber-Stadion war bald kein reiner Tennistempel mehr. Auch weil die Gerry Weber International AG viel Geld ins Sportsponsoring steckte – unter anderem auch beim Deutschen Handballbund und beim „TBV Deutschland“. Einer der Höhepunkte nicht nur für Gerhard Weber war deshalb auch die Austragung der Handball-WM-Spiele 2007.

In den letzten Jahren wurden die Sportveranstaltungen seltener, die Finanzierung anspruchsvoller. Mittlerweile heißen die Gerry Weber Open Noventi Open. Von der Gerry Weber International AG fließt kein Geld mehr.

Auch Fußball-Bundesligist Arminia Bielefeld hat von Gerhard Webers Sport-Begeisterung profitiert. Von 1996 bis 1998 zierte das Firmenlogo die Brust des DSC-Trikots. Einer der prominentesten Träger war Stefan Kuntz. 1996 kam er als frisch gebackener Europameister nach Ostwestfalen. Bis vor kurzem war der Gerry-Weber-Schriftzug auch noch auf den Banden in der Schüco-Arena zu lesen.

Doch nicht nur als Unternehmer war Weber dem Klub verbunden. Auch mit seinem Privatvermögen unterstützte er den DSC in schweren Krisen und bewahrte den Klub sogar vor der Insolvenz.

Weber war langjähriges Vereinsmitglied und zudem einziges Ehrenmitglied des DSC. Arminia würdigt auch deshalb den verstorbenen Unternehmer in einem Nachruf als „Sinnbild für das ostwestfälische Unternehmertum“. Weiter heißt es: „Der DSC Arminia Bielefeld hat mit tiefer Trauer und großer Betroffenheit die Nachricht vom Tode Gerhard Webers aufgenommen. (...) Mit seiner Schaffenskraft, seiner beeindruckenden Lebensenergie, seiner Kreativität und seinem unternehmerischen Mut stand er für die Werte und Tugenden, für die sich Ostwestfalen auszeichnet.

Nachruf aus dem Westfalen-Blatt vom 25.09.2020

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